FDP fordert Bürgerentscheid zu City-Outlet-Center in Rietberg

Neue Westfälische | Birgit Vredenburg

Neues Erscheinungsbild: Das Nordtor wird sich durch die geplante Verschwenkung der Rathausstraße im Zuge der Erweiterungspläne des Lind-Hotels massiv verändern. Foto: Birgit Vredenburg
Neues Erscheinungsbild: Das Nordtor wird sich durch die geplante Verschwenkung der Rathausstraße im Zuge der Erweiterungspläne des Lind-Hotels massiv verändern. Foto: Birgit Vredenburg

Rietberg. Wie zu erwarten, hat jetzt auch der Rat den überarbeiteten City-Outlet-Planungen und der Erweiterung des Lind-Hotels zugestimmt und somit eine Vielzahl von Bauleitplanverfahren eingeleitet. Lediglich FDP-Einzelkämpfer Prof. Dr. Manfred Niewiarra enthielt sich bei allen bau- und planungsrechtlichen Beschlüssen und wiederholte mit Blick „auf die zu erwartenden einschneidenden Eingriffe in die Struktur der Stadt und das gewachsene bürgerliche Zusammenleben" seine Forderung nach einem Bürgerentscheid.

 

Denn im Rahmen des rechtlich vorgeschriebenen Verfahrens werde der Bürger zwar beteiligt, in diesem frühen Stadium sei aber eine Stellungnahme nur derjenigen zu erwarten, die vor ihrer Haustür direkt betroffen seien. Niewiarra: „Eine erkennbare Gesamtbürgermeinung wird es so nicht geben." Das neue Konzept habe zwar durchaus seinen Charme, aber nicht mehr viel von der eigentlichen Grundidee, das Herz Rietbergs, nämlich die Rathausstraße, zu stärken und ein Einkaufserlebnis von innen, von der Stadt aus zu schaffen.

 

Den geänderten Plänen nach erhalte die Stadt an ihren Rändern drei neue Kaufhäuser mit 45 Outlet-Shops und 450 zusätzlichen Parkplätzen in einem Parkhaus und einer Tiefgarage. Die wirtschaftliche Belebung der Innenstadt bleibe aber frei von den Interessen der Investoren.

 

Die Schaffung zweier Einkaufspole am Nord- und Südtor habe, so Niewiarra, „nichts mehr von einem City-Outlet. Es handelt sich vielmehr um zwei Outlets an den Rändern der Stadt, von denen eines wegen seiner monumentalen Wucht die Stadt auch architektonisch nicht gerade bereichert".

 

Rietberg ist stärkster Standort für ein City-Outlet in Deutschland

 

Die Investoren, die einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag investieren, „stürzen sich mit viel Mut in ein großes finanzielles Abenteuer", glaubt Niewiarra. Dies sei zunächst Sache der Investoren. Die Stadt müsse aber bedenken, dass jede Investition irgendwann ein wirtschaftliches Ende habe und dass ein Scheitern des Projektes dann auch die Stadt betreffe.

 

Leon Meyer, sieht in dem neuen Konzept, „das die gesamte Rathausstraße mit einbindet", wie er jüngst im Bauausschuss betonte, indes eine hohe Gelingensgarantie. Das viel diskutierte Thema der Verdrängung des bestehenden Handels könne mit den CO-Schwerpunkten am Nord- und Südtor ausgeklammert werden. „Wir wollen der Rathausstraße, die in ihrer Struktur erhalten bleiben soll, die Chance geben, sich sanft zu entwickeln und mit den vorhandenen Strukturen eine Betriebsform schaffen, die beiden Seiten große Vorteile bringt", erläuterte Meyer.

 

Für die Kunden bilde der geplante Mix aus CO-Shops, inhabergeführtem Einzelhandel und Gastronomie ein stimmiges Bild in der gesamten Innenstadt. Die einzige geplante Maßnahme in der Rathausstraße sei eine Aufwertung des Rathaus-Vorplatzes in eine Mischverkehrsfläche, in der der Verkehr auf sieben bis zehn Stundenkilometer herunter gebremst werde. „Bei der Gestaltung der CO-Neubauten wollten wir die Innenstadt nicht kopieren, sondern eine eigene Architektursprache finden", informierte Meyer.

 

Daher seien für die geplanten CO-Fassaden aus Backstein und Natursteinsockel geplant. Das sei hochwertig, langlebig und auch in 20 Jahren noch attraktiv. „Wenn wir unser Konzept so umsetzen können, wie geplant, wird das eine stimmige und gute Geschichte für Rietberg", ist Meyer überzeugt. Die Rahmenbedingungen seien ideal, die Auswirkungen auf benachbarte Einzelhandelsstandorte verschwindend gering. Meyer: „Rietberg ist einer der stärksten, wenn nicht sogar der stärkste Standort überhaupt für ein City-Outlet in Deutschland."

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